Artikel aus der gedruckten Badischen Zeitung vom 10.03.2011
Hexenritt über die FlammenFeuriger Rückblick der Gundelfinger Dorfhexen und der Fässlistemmer in der Nacht auf Mittwoch. GUNDELFINGEN. Jetzt ist aber Schuss. Zum letzten Mal kamen am Dienstagabend, zum Ende der "fünften" Jahreszeit, die Gundelfinger Narren zusammen. Die Dorfhexen boten dabei sich und den vielen Besuchern mit der Fasnetverbrennung auf dem "Sonne"-Platz ein grandioses Schauspiel.
Anschließend beerdigten die Fässlistemmer unter Schalmeienklängen und großem Wehklagen ihren Ignaz hinter dem Rathausplatz. Bevor die Fasnet verbrannt wurde, nahmen die Hexen erst mal Abschied. Wie in jedem Jahr spielte dazu der Musikverein Gundelfingen den Trauermarsch, und Hexe Jürgen Horn fasste die Fasnetsaison poetisch zusammen: "Der Hexeball het super gfalle … aber vor lauter Zünfte vu überall her / siesch da fascht keine Gundelfinger mehr. / Beim Umzug sin viele Narre mitgloffe, die wärn im Rege fascht ersoffe, drum ware au in diesem Jahr nit so viele Zuschauer da."
Er erzählte allen die es hören wollten, wie der Narrenbaum gestellt und im Rathaus die Beamten geweckt wurden, von der Befreiung der kleinen Gewächse aus den Schulen und vom sexy Herrenballett, welches bei den Damen so großen Anklang gefunden hatte. "De Freitagmorge fing sodann, wie immer mit de Katzemusik an." Es folgten Zunftabend, die Beizefasnet und der Umzug in Todtnau am Fasnetmändig. "Jetz isch d"Fasnet fascht am End, jetz wird dann glei die Hex verbrennt." Als daraufhin eine Strohhexe in Flammen aufging und endgültig vom närrischen Treiben Abschied genommen werden musste, war das schaurig-traurige Geheul der Hexen weit und lange zu hören. Einige Hexen mussten sich mit ihren großen weißen Taschentüchern immer wieder die Tränen aus den Augen wischen. "Doch jetz sinn still, bis es vollbracht: Adieu du aldi Fasenacht / Mir dun dich jetz ins Feuer lege / mit ’nem allerletschde Hexefege." Andrea Steinhart
Artikel aus der gedruckten Badischen Zeitung vom 09.03.2011
Kinderparade vom Rathaus bis zu HalleKinderfasnet mit Dorfhexen. GUNDELFINGEN (ast). Ganz in Kindernarrenhand war gestern die Gundelfinger Turn- und Festhalle bei der Kinderfasnet, die von den Gundelfinger Dorfhexen für alle Kinder aus Gundelfingen auf die Beine gestellt wurde. Viele bunte Kostüme, eine Zauberschau, Tanzspiele und fetzige Musik brachten die Kinder schnell in Feierstimmung. Während der Programmpunkte hatten die kleinen Nachwuchsnarren die Bühne und die Halle für sich und genug Zeit, um zu den heißen Rhythmen der Kinderdisco abzurocken. Da rannten, tobten und lachten zauberhafte in rosa Tüll gehüllte Prinzessinnen und Feen, wilde Cowboys und Indianer jagten durch die Tischreihen und Ritter, Piraten und Hexen mischten sich ein. Gleich mehrere Pippi Lang-strümpfe hatten großen Spaß am Bonbonregen, und zwischendrin tanzten nah beieinander Engelchen und Teufelchen. Auch die Eltern haben sich in Schale geworfen und sind als Schlumpf, Clown und Musketier verkleidet. Das "Fliegerlied", der Ententanz und "Komm, hol das Lasso raus" standen bei den Kindern hoch im Kurs. Und die dazu gehörigen Choreografien lernten die Nachwuchstänzer ganz schnell von den Dorfhexen. Hexenopa Jürgen Horn und die Dorfhexen präsentierten nochmals kindgerecht den schaurig-schönen Hexensabatt. Und auch der neue Hexentanz der kleinen Hexen kam gut an. Der Zauberer Zappo sorgte bei seinen beiden Auftritten für den nötigen Klamauk auf der Bühne und bezog die Kleinen und Kleinsten gekonnt mit ein. Viel Spaß hatten die kleinen Narren auch bei den lebhaften Spielen, die von den Hexen geboten wurden. Beim Kostümwettbewerb gewannen das Zebra, der Hase und das Olchi die reich beschenkt wurden. Nach drei Stunden Programm und Disco waren die kleinen Narren rechtschaffen müde und hungrig. Daher war der Betrieb am Essenstand riesengroß. Dort waren die Preise so moderat, dass der kleine Tiger auch zwei Würstchen und zwei Limos verdrücken konnte.Andrea Steinhart
Artikel aus der gedruckten Badischen Zeitung vom 07.03.2011
In der "Beizefasnet" hagelt es Spott"Nai, was war des scheen..."/ Im "Ochsen" und "Rößle" kommen zur Beizefasnet der Dorfhexen die Besucher voll auf ihre Kosten. GUNDELFINGEN. Da war allerhand los in den Gasthäusern Ochsen und Rößle in Gundelfingen: Viele lustige Narren aller Altersgruppen amüsierten sich prächtig. Clowns, Gärtnerinnen und Sträflinge tummelten sich bei der Beizefasnet 2011, die Stefan Link und seine Dorfhexen bestens vorbereitet hatten.
Zum Aufwärmen gab es von dem Dorfhexen-Narrensamen Hexentänze und Klatschrunden. Anschließend servierte Jürgen Horn seine scharfzüngige "Schnitzelbank" mit "Helgen" von Viviane Friedrich zu wahren Geschichten aus dem Dorf. Horn nahm alles aufs Korn und sang sich so in die Herzen der Gundelfinger. Es ging um das Thema Sonne im Wildtal, die fehlende Dekoration im Dorf zur Fasnet und auch den Eifer eines Pflegedienstlers, der die Feuerwehr kommen ließ, nur weil es seltsam roch im Büro, was aber nur am "Frisch gestrichen" lag. Deutlich lauter wurde es im "Ochsen" als die Beizekracher auftauchten. Seit zwei Jahren ist die Gruppe bei der Kneipenfasnet aktiv und mittlerweile nicht mehr wegzudenken. Mit ihren riesigen Trompeten, Trommeln und Posaunen sorgen die Musiker, die zwischen 13 und 81 Jahre alt sind, für Stimmung, Tanz und Gesang. "Die Lautstärke ist kein Problem. Allerdings sind wir seit heute Morgen schon musizierend unterwegs", erzählt Siegfried Lupberger (81) als er mal seine Trompete absetze. Ein Dauerbrenner sind die GundelSingers, die sich immer wieder tolle Lieder ausdenken und damit Stimmung machen. Leicht, filigran und fast synchron bewegten sich die Sängerinnen, während die Zuhörer als Hintergrund-Chor fungierten. Viel Gelächter gab es beim Tratsch der Putzfrauen. Erstaunlich, was die so alles im Rathaus erleben: Sie veranschaulichten Beamtenmikado und den Beamtenexpander, fanden sich in der Residenz des Bürgermeister wieder und wussten sogar, was im Pfarrhaus und im Seniorenheim so alles geht. Das Publikum sparte nicht mit Beifall für Marlies Löffler, Carmen Link und Ute Hofmann. Auch dieses Jahr stand der kalauernde Jürgen Horn mehrfach auf der Bühne. 2011 als "Wilma", die mit ihrem Eheleben haderte und vieles über ihre Hochzeitsnacht, ihren Ehe-Alltag und von ihrem "Heini" erzählte, der aussieht wie ein "aufgedrehter Deostift". Nur wenig später blies Daniela Hess von den Freiburger Hexen ins gleiche Horn, als sie den Herren der Schöpfung frohgemut eins überbriet . Das interessierte die sonderbare Fremde (Gabriele Blawert) jedoch herzlich wenig. Sie wollte von der Einheimischen (Ursula Willmann) nur wissen, was es in dem "Kaff" so an Kultur gebe. "Na, mein Kulturbeutel!" Sie hatte mit ihrem breiten Dialekt gleich alle Lacher auf ihrer Seite als sie verkündete, dass sie den "Spitzweg" auf ihren Spaziergängen durch den Ort noch nie gesehen habe und den "Rembrand" seit Jahren gern trinke. Sie erzählte vom "Oben-ohne-Verein" (Freilichtbühne) und von den Dorfhexen, wo die Fremde sicherlich auch ohne Maske sofort aufgenommen werde.
Nach einem dreistündigen Non-Stop-Programm wurde dann in beiden Kneipen bis spät in die Nacht hinein getrunken, gelacht und vor allem im Ochsen ausgelassen getanzt. Andrea Steinhart
Artikel aus der gedruckten Badischen Zeitung vom 05.03.2011Trauzimmer als "Besenwirtschaft" der Gundelfinger NarrenscharSonne-Areal: Platz für"s neue SC-Stadion / Gewaltfreier Narrenaufstand im Gundelfinger Rathaus. GUNDELFINGEN. So richtig kämpfen mussten die Fässlistemmer und die Dorfhexen nicht, um das Gundelfinger Rathaus zu stürmen. Bürgermeister Bentler hatte zuvor schon das Weite gesucht. Sein Stellvertreter, Bernd Bauer, hatte sich zwar im Trauzimmer des Rathauses verschanzt. Als er vom Fenster aus die große Menge der Eroberer kommen sah, erkannte er gar schnell, "ab hit regiere die Narre un alli mache besser mit!"
Am frühen Abend hatten die Gundelfinger Narren mit viel Manneskraft und tatkräftiger Hilfe von der Feuerwehr den 15 Meter hohen Narrenbaum aufgestellt. Danach zog die in Nachthemden bekleideten Kinder, Frauen und Männer lautstark vom Musikverein begleitet durch das Dorf mit dem Ziel: Vom Rathausplatz aus das Dienstzimmer des Bürgermeisters zu stürmen.
Hier wurde die funkensprühende Hexensuppe gekocht und die aus allen Winkeln kommenden Hexen mit viel Getöse begrüßt. "I kumm grad us Heller´s Garte, dort hab im Schubbe i mich vaschteggt, un wär vor Hunga fascht vareggt", so klagte eine der auf dem Rathausplatz erscheinenden Hexe. Doch nach einer Tasse Hexensuppe war sie wieder fit, ebenso wie die weiteren frechen Hexen, die aus allen Richtungen kamen. "I hab gschloofe im´ne Schtorcheneschd, ganz ohni Degge, ohni Kisse, un wurd fascht völlig zuge…". Danach ging der Sturm aufs Rathaus los. So schnell hatten die Hexen und Fässlistemmer es noch nie gestürmt. Denn dem Stellvertreter fiel die Schlüsselübergabe recht leicht, obwohl er doch eigentlich "de Peter Ficht, rumkommandiere hät welle" und "uf de Bürgermeischtersessel hät hocke welle". Doch viel lieber trank und schunkelte er dann doch mit den Narren im Trauzimmer, das sich von Minute zu Minute mehr in eine Besenwirtschaft verwandelte. Bei der Übermacht der furchteinflößenden Hexen und der machtgierigen Fässlistemmern hätte er sowieso nichts ausrichten können. Sollten doch die Narren die anstehenden Dorfprobleme nun lösen.
Da gab es gleich per Schnitzelbank von den Dorfhexen genügend Vorschläge. Zum Beispiel könnte das "Sonne"-Areal im Wildtal zum neuen SC-Stadion ausgebaut werden. Die "Sonne"sollte Vereinslokal werden und die Straßenbahn könnte dann auch gleich übers Wildtal fahren. Weiter ging es ums Gaddafi-Land, um Doktoren-Titel, Landtagswahlen und um Lena. Alles wurde singend durch den Kakao gezogen. "Jo, da legsch di nieda, un stehsch nimma uff", sangen gemeinsam die Narren nach den von Jürgen Horn vorgetragenen, scharfzüngigen Schnitzelbank-Strophen, deren Pointen mit "Helgen" von Viviane Friedrich untermalt waren. Später dann, als alle Flaschen leer waren, zogen die Narren zusammen mit dem Stellvertreter im Schlepptau, schließlich hatte er die Taschen voller Geld, in Richtung Festhalle und von dort weiter durch die Gundelfinger Trinkstuben. Andrea Steinhart Artikel aus dem gedruckten Gundelfinger Gemeindeblatt vom 24.02.2011 Schräge Töne, gute Stimmung
Ohne Übertreibung lässt sich sagen: Der Ball der Gundelfinger Dorfhexen war wieder ein voller Erfolg. Zahlreiche Guggemusiken aus der Schweiz belebten mit Farb- und Formphantasie ihrer Kostü-me den Abend und überzeugten durch ihre musikalische Qualität.Sie hießen Vändiulüfter, Sädelgeischter, Chänubotzer oder tru-gen anderweitig zungenbrechende Namen. So exotisch wie ihre Bezeichnung, so ausgefallen war ihr Aussehen. Wer gekommen war, kam voll auf seine Kosten, denn die Kategorie „Guggemusik” bietet viel Spielraum für individuelle Interpretationen. Dirigieren mit Händen und Füßen Ein Phänomen für sich ist die Dirigierkunst beim Guggemusik-Machen, wie schon der Dirigent der als erste auftretenden „Sä-delgeischter” aus Zufikon bewies: Anfangs schien es, als tanze er einfach die Rhythmen seiner Gruppe (vor oder nach?); schaute man genauer hin, ließ sich erkennen, wie präzise einerseits diese Tanz-schritte waren, wie akkurat andererseits immer die Einsatzzeichen kamen. Das galt gerade auch bei den Passagen mit höheren Dezibel-Werten. So lebte der Dirigent förmlich die Musik. Vielleicht auch ist diese oft gewaltige Musik anders nicht zu bändigen. Die Guggizunft aus Olten, nach Mitternacht auftretend, machte akkustisch und optisch Werbung für ihre neue CD „konserviert”, die Aerdwybli-Schänzer, von einem „Wybli” dirigiert, duldeten auch einige wenige männliche Musikanten in ihren Reihen und die Chänubotzer aus Wolhusen (entgegen erster Vermutung keineswegs abgemusterte Gorch-Fock-Matrosen) lieferten disziplinierte Musik bei liberal gehandhabter Anzugsordnung. Die Knokker aus Pfaffnau schließlich boten die Kunst mehrstimmiger Darbietung auf hohem Niveau äußerst überzeugend. Die Gruppe „Beatfyre” bestritt die Guggemusik-freien Teile des Abends und machte es den Fasnachts-Narren leicht, den Rhythmus in entsprechende Bewegungen auf der Tanzfläche umzusetzen. Ein Lied, zwei Lieder, wie sie schon unsere Eltern in Stimmung gebracht haben und die (garantiert) noch unsere Enkel einspielen werden, wenn Party angesagt ist, trugen dazu bei. „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben” etwa, „Marmor, Stein und Eisen bricht” natürlich und das unverwüstliche Lied von „Alice”, die so wunder-bar staccato-haft mittendrin niemand zu kennen vorgibt („who the fuck is Alice?!”). Zweimal „da capo” verlangte das Publikum bei den Einlagen: So-wohl von den Dorfhexen-Mädchen, die kess, forsch und gewandt mit Breakdance begeisterten und bald nach ihnen vom „Männerbal-lett”, dem bei seinem Auftritt Dutzende Bewunderinnen zu Füßen lagen… Bei so viel Kunst für Auge und Ohr waren viele Gestalten zu be-obachten, die trotz gegensätzlicher Herkunft friedlich vereint sich zur Fasnet amüsierten. Ausgelassen tanzte die Indianerin (Norda-merika) mit dem Gaucho (Südamerika). Engel (von oben) und Teu-fel (von unten) diskutierten womöglich heiß, standen aber traulich am selben Stehtisch. „Police” und Ganove schließlich waren nicht nur Arm in Arm, sondern auch bei gegenseitiger Lippenpflege zu sehen… So geriet dem 1. Zunftvogt Stefan Link und seinen Dorf-hexen offensichtlich ein großes diplomatisches Begegnungsfest, auf dem sich alle Welt treffen wollte, darunter zahlreiche Zünfte aus der näheren und weiteren Umgebung. Herbert Geisler
Artikel aus der gedruckten Badischen Zeitung vom 15.05.2010 Gemeinsam an einem Besen ziehendZunftvogt Stefan Link: "Wir haben vieles richtig gemacht" / Gundelfinger Dorfhexen zogen Bilanz. GUNDELFINGEN. Ein durchweg positives Fazit der Fasnetszeit zogen die Gundelfinger Dorfhexen. In Rekordzeit wurden die Regularien während der Jahreshauptversammlung abgearbeitet. Fazit des Zunftvogt Stefan Link: "Wir haben vieles richtig gemacht".
Schnell, unproblematisch und informativ ging die Mitgliederversammlung der Gundelfinger Dorfhexen dieser Tage im Gasthaus Rößle über die Bühne. Dabei wurde immer wieder deutlich, dass die Mitglieder mit der Arbeit des Vorstandsgremiums durchaus zufrieden sind.
Erfreulich, so Link, seien die Neuaufnahme weiterer Mitglieder und die Aussicht auf neue, "junge Setzlinge". Deren Prüfung wurde für den 11.11.2010 anberaumt.
Der ständige Zuwachs bedeute aber auch Verantwortung, und so müssen für die Kinder und Jugendliche weitere Jugendbetreuer für Umzüge und Veranstaltungen organisiert werden. "Wir haben vor 15 Jahren mit sieben jungen Hexen angefangen und sind heute 66 aktive Dorfhexen", sagte der Hexenchef, der damals selbst zu den Gründern gehörte.
Stolz mache ihn aber vor allem, dass er und seine Vorstandskollegen von jeder Gundelfinger Hexe "Rückenstärkung erhalten".Das umfangreiche Fasnetsprogramm 2009, die Feierlichkeiten zum 15-jährigen Bestehen und der Jubiläumsumzug konnte problemlos abgewickelt werden. Sogar der Wettergott spielte immer mit. So sei das "Gugge"-Platzkonzert und vor allem die "Beizefasnet" ein voller Erfolg gewesen. Von allen Seiten gab es Lob und Anerkennung im Jubiläumsjahr, auch von höchster Stelle: Der Verband Oberrheinischer Narrenzünfte sowie der BNZ-Verband würdigten die Gundelfinger Dorfhexen für ihr Durchhaltevermögen, Kreativität und Vereinsarbeit.
"2009 war das bisher schönste Jahr für mich, als Oberzunftvogt", sagte Stefan Link. Er bedankte sich bei seinen Hexen, die "gemeinsam mit ihm all die Jahre an einem Besen zogen". Ausführlich rief Schriftführerin Sarah Friedrich die zahlreichen Aktivitäten und Veranstaltungen des Jubiläumsjahres noch einmal in Erinnerung.
Einen detaillierten Überblick über die Finanzen des Vereins legte Carmen Link vor. Auch wenn das Jubiläumsjahr nicht alltägliche Ausgabeposten verlangt hätte, stehe der Verein gut da und sei für weitere Aufgabe bestens gerüstet. Stellvertretender Bürgermeister, Thomas Danner überbrachte den Hexen die Grüße der Gemeinde und dankte dem Verein fürdessen Engagement, vor allem für das Wiederbeleben der Beizefasnet. "Macht weiter so", schloss er seine Rede.
Auch IGV-Vorsitzender Klaus Wächter lobte den "richtigen Weg der Dorfhexen." So hätten sie es von Anfang an verstanden, als Verein das ganze Jahr über präsent zu sein – so wie auch bei dem im Sommer wieder anstehenden Dorffest. Wächter: "Die Dorfhexen helfen, wo sie können."
Artikel aus der gedruckten Badischen Zeitung vom 14.02.2010 Tanzende Puppen und viel Dorftratsch Es muss nicht immer der Große Zunftabend sein. Auch in der Beize kann mit spontanen Beiträgen ganz schön Stimmung machen, wie man in Gundelfingen erleben durfte. Beizefasnet Foto: Andrea Steinhart GUNDELFINGEN. Da war allerhand was los bei der Beizenfasnet HOCH 2, an der sich anscheinend das ganze Dorf beteiligt hat. Das Rößle und der Ochsen in der Gundelfinger Dorfmitte quollen über von Menschen, die nur eines wollten: sich ausgiebig amüsieren. Wie in jedem Jahr waren die Dorfhexen mit ihren Geschichten im Ort unterwegs. Gleich zu Beginn sorgten sie mit ihrer farbenfrohen und beliebten Schnitzelbank aus frechen Texten über wahre Geschichten aus dem Dorf für ausgelassenes Lachen bei den Gästen. Seit vier Jahren gibt es die Schnitzelbank bei der Beizenfasnet, und sie ist nicht mehr weg zu denken. Da wurde vom Pleitegeier in der Industriestraße gesungen, vom Klimagipfel, vom Institut Müller und den wackligen Graburnen in den Regalen, aber auch von der Biene Merkel mit ihrem feschen Welli. "Ja, da legsch di nieda, un stehsch nimma uf", sangen die Frauen und Männer nach jeder von Jürgen Horn vorgetragenen, scharfzüngigen Schnitzelbank-Strophe, deren Pointen mit "Helgen" von Viviane Friedrich untermalt waren.
Beim Gesang der "Alten Damen" bekamen zunächst die Gundelfinger Vereine ihr Fett weg. Doch dann entpuppte sich der Gesang als reine Werbemasche für den Frauenchor "GundelSingers". Gleich danach mussten auch die Gundelfinger Gemeinderäte dran glauben, als der Koch aus dem Rathaus (Bernd Bauer) sie aufs Korn nahm. Jede Menge Eigenheiten der Gemeinderäte kannte er. Obwohl er keine Namen nannte, wussten doch alle, wer gemeint war. Denn jedes Kind im Ort kennt natürlich die Storchenmutter, der Biobauern oder den Geschenkekorb-Überbringer. Viele Lacher erntete wieder einmal das köstliche Streitgespräch zwischen dem Ehepaar Marlies und Roland Löffler, die sich so manches um die Ohren warfen. Vor allem die weibliche Hälfte haderte mit ihrem Schicksal und erzählte allen, die es hören wollten von den Nöten einer Ehefrau: "Habt ihr schon mal so einen Kerl gesehen, unrasiert im Nachthemd stehen? Mit Waden wie ein Besenstiel – von wegen schönes Muskelspiel". Auch auswärtige Zünfte folgten dem Lockruf der Gundelfinger Dorfhexen Man hatte mitfühlende (Lach)-Tränen in den Augen, als sie weiterfuhr: "Ein dürres Gestell, ein dickes Fass, wer spricht da von einer edlen Rass?" Die männliche Sichtweise langer Ehebeziehungen schilderte der nicht maulfaule Gatte: "Die Weibsleut sehen morgens aus, wie ein gerupfter Vogel Strauß. Zersaust und strubbelig, ohne Format, im Schlafzimmer liegt der ganze Salat."
Keine Frage: Der kalauernde "Rentner Horn" gehört zu den Knüllern der Beizenfasnet. Er erzählte genüsslich über seinen Ehe-Alltag, vom Urlaub in der Türkei, vom Nacktscanner am Flughafen und seiner gestreiften Tigerbadehose. Nebenbei gab er Tipps und einige Weisheiten kund, wie man(n) zum Beispiel die Wechseljahre der Ehefrau fürs Einsparen von Heizöl nutzen könne. Nur wenig später stieg auch Winfried Kuhn in die Bütt, der die aktuelle Finanzkrise und den Schattenhaushalt aufspießte.
Das interessierte die "Jungen Bauern" am Stammtisch jedoch herzlich wenig. Hier galt das Motto: "Es trinkt der Mensch, es säuft das Pferd – in Gundelfingen ist das umgekehrt."
Auch der Narrensame wollte unbedingt etwas bieten und präsentierte das Fliegerlied, bei dem gleich die ganze Kneipe mitsang. Dem Lockruf der Gundelfinger Dorfhexen konnten auch dieses Jahr auswärtige Zünfte nicht widerstehen. Und so wurde in beiden Kneipen bis spät in die Nacht hinein getrunken, gegessen und getanzt.
Veröffentlicht in der gedruckten Ausgabe der Badischen Zeitung vom 02.02.2010 Hexenball bleibt ein GästemagnetFesthalle wurde zum brodelnden Hexenkessel GUNDELFINGEN. Über eine prall gefüllte Festhalle freuen durften sich die Dorfhexen am vergangenen Samstag bei ihrem Hexenball. Elf Gastzünfte hatten sie eingeladen, hinzu kamen drei weitere Gruppen, die eigentlich in den Schwarzwald wollten, wegen der Straßenverhältnisse im Höllental aber umdrehten und den Abend in Gundelfingen verbrachten. Vier Guggemusikgruppen sorgten zudem für ausgelassene Stimmung. Der Gundelfinger Hexenball ist für viele Narren der Ball der Bälle. Wieder lockte die Veranstaltung viele Gäste – inzwischen mehr Jung als Alt - in die Halle. Fast alle kamen in kreativen Kostümen oder im Häs. Lichteffekte und bunte Dekoration sorgten für Atmosphäre. Und bald schon verwandelte sich die Festhalle in einen wahren Hexenkessel. Bis tief in die Nacht wurde zur Musik der Band Beatfyre aus Tübingen getanzt, gebaggert und geflirtet. Damit die vielen Gäste auch Platz hatten, verzichteten die Veranstalter zum größten Teil auf Bänke. Lediglich einige Bistrotische umsäumten die große mittig stehende Traverse. Dennoch war am Getränkestand Geduld angesagt, in Reihen warten die Durstigen auf Erlösung. Hexentänze, Showtanzeinlagen und tanzende Männer: Der Hexenball war auch in dieser Hinsicht abwechslungsreich. Erst zeigten die Ebringer Schlosshexen, was sie auf der Bühne können, später dann die Nägelebuckhexen aus Norsingen. Sie schickten ihre Männer als Ballerinen aufs Podest. Doch auch sie schafften es nicht, die Grazie der tanzenden Männertruppe der Gundelfinger Dorfhexen zu übertreffen. Lustig und sexy zeigten sich die Herren zur späten Stunde. Und immer wieder zog eine lautstarke Guggemusik in die Halle ein.
Die Bar im unteren Foyer war schon früh zum Bersten gefüllt. Dicht gedrängt sangen dort die Gäste und tranken ausgefallene Drinks. Ohne große Umschweife wurden Kontakte geknüpft. Derweilen achtete ein strenger Securitydienst darauf, dass kein Gast aus der Reihe tanzte. Das Problem "Jugend und Alkohol" umgingen die Dorfhexen auf dreifach einfache Art: durch Einlass erst ab 18 Jahren, verstärkte Präsenz der Security und Verbot von Alkopops. Das bescherte den Veranstaltern und der Polizei einen gewalt- und einsatzfreien Abend.
Trotz Schneegestöbers folgte dann am Sonntagmorgen das 4. Guggemusik-Platzkonzert auf dem Sonneplatz. 400 Gastmusiker aus der Schweiz und der benachbarten Region schränzten auf der dreistöckigen Bühne alles was das Zeug hielt. Hits aus den Charts wellten aus Posaunen und Trompeten. Dazu wurde so richtig auf die Pauken gehauen. Wie in Trance tauchten die Menschen rund um die Tribüne in den fasnächtlichen Rhythmus ein. Nach den Riddemer Notenrätschern stand die XS-Excess-Band aus Backnang auf der Bühne. Die Rothornfäger aus Sörenberg bei Luzern feierten in Gundelfingen ihr 20-jähriges Jubiläum. Am Ende des Guggemusik-Intermezzos brodelte und zitterte das Dorf. "Wir sind stolz darauf, das vierte Guggeplatzkonzert mit Topgruppen besetzen zu können", hatte Stefan Link in Vorfeld gesagt. Das zweistündige Platzkonzert gab ihm recht.
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