Die Gundelfinger Fastnacht: lebendige Tradition mit alten Wurzeln

Die Fastnacht in Gundelfingen ist eine ganz besondere. Sie ist bunt, lebendig, von altem Brauchtum geprägt — und zugleich offen für neue Impulse. Wer hier durch die Straßen zieht oder an den Veranstaltungen teilnimmt, spürt schnell: In Gundelfingen wird die Fastnacht mit Herzblut gefeiert. Die Gundelfinger Dorfhexe hält sich dabei ganz bewusst an die überlieferten Regeln der schwäbisch-alemannischen Fastnacht. Das Häs wird erst ab dem 6. Januar getragen — früher nicht. Diese Tradition achten wir, und sie gibt unserem närrischen Jahr einen klaren, gewachsenen Rhythmus. Doch Gundelfingen liegt in einer Region, in der viele Einflüsse zusammenkommen. So spürt man bei uns auch die Nähe zur Freiburger Fastnacht, insbesondere zu den Zünften der Breisgauer Narrenzunft (BNZ). Ihre Bräuche und ihr Stil haben ebenso Spuren hinterlassen wie die Traditionen aus dem nahen Schwarzwald und aus der Schweiz, deren Eigenheiten hier und da in unsere Fastnacht eingeflossen sind. Einige alte Bräuche, die beinahe vergessen waren, haben wir in den vergangenen Jahren wieder neu zum Leben erweckt. So entsteht eine reiche, vielschichtige Fastnacht, die Altes bewahrt und zugleich Raum für Neues lässt. Was sie aber vor allem ausmacht, ist die große Verbundenheit im Dorf. Wenn Fastnacht ist, ist ganz Gundelfingen auf den Beinen. Alt und Jung, Familien, Freunde, Vereine — bei unseren Veranstaltungen ist das Dorf spürbar auf Fastnacht eingestellt. In Gundelfingen gibt es mehrere Zünfte, die gemeinsam das Bild der Fastnacht prägen. Neben den Hexen gehören dazu die Traditionszunft, d´Fässlistemmer. Mit ihnen verbindet uns ein gutes, freundschaftliches Miteinander. Viele Veranstaltungen werden gemeinsam gestaltet und erlebt — so, wie es im Geiste der Fastnacht sein sollte. Was dabei entsteht, ist eine lebendige, vielfältige Fastnacht, bei der für jeden etwas dabei ist: für die Kinder, für die Jugendlichen, für die Familien, für die Alten — für alle, die Freude an der Narretei haben.

Nachfolgend  findet Ihr einen Überblick über unsere Fastnachtstage und die wichtigsten Veranstaltungen. Sie alle tragen ihren eigenen Charakter — und zusammen ergeben sie das bunte, besondere Bild der Gundelfinger Fastnacht.

11.11: Der erste Schritt ins neue Fastnachtsjahr

Wenn andernorts am 11. November schon Masken und Kostüme durch die Straßen ziehen, bleibt es in Gundelfingen an diesem Tag äußerlich noch ruhig. Denn die Gundelfinger Hexen halten sich an eine alte Regel: Das Häs wird erst am 6. Januar getragen — und keinen Tag früher. So bleibt auch der 11.11. eine rein interne, dafür umso bedeutungsvollere Veranstaltung im Kalender der Zunft. An diesem Abend versammeln sich die Hexen — ganz in Zivil — in ihrer Zunftstube. Dort beginnt für sie das neue Fastnachtsjahr, leise und unter sich. Es wird erzählt, gelacht, Pläne geschmiedet, erste Vorfreude geweckt. Doch der Abend hat noch einen besonderen Höhepunkt: die Setzlingsprüfung. Die Hexen, die im Jahr zuvor als Setzlinge unterwegs waren, haben nun ihre erste Kampagne hinter sich gebracht. Um den Hausorden zu erhalten und als vollwertige Hexen in die Zunft aufgenommen zu werden, stellen sie sich an diesem Abend einer kleinen Prüfung — die allerdings mehr Freude als Strenge kennt. Jede Anwärterin und jeder Anwärter bringt etwas mit: einen lustigen Beitrag, einen eigenen Vortrag, ein witziges Gedicht oder eine originelle Idee, die zeigt, dass man sich Gedanken gemacht hat und mit Herz und Humor dabei ist. Nicht Kopiertes, nicht Beliebiges — sondern etwas, das die anderen Hexen zum Schmunzeln und Lachen bringt. Sind alle Beiträge vorgetragen, verlassen die Anwärterinnen und Anwärter kurz den Raum. Die übrigen Hexen beraten und stimmen ab. Ist die Entscheidung gefallen, kehren sie zurück — und wenn alles gut gegangen ist, wird der Hausorden verliehen. Von diesem Moment an sind die neuen Hexen mit vollem Recht und voller Freude Teil der Zunft. Der Rest des Abends gehört dem gemütlichen Beisammensein. Bei gutem Essen und Trinken klingt der 11.11. aus, mit viel Lachen, mit alten Geschichten und neuer Vorfreude auf das, was kommt. Denn eines ist sicher:

Die große Fastnacht ist zwar noch einige Monate entfernt — doch an diesem Abend spürt man es schon deutlich: Sie kommt näher.

 

06 Januar: Häs-Abstauben – Der Auftakt zur Fastnacht

Am 6. Januar ist es soweit: Wenn andere noch den letzten Weihnachtsplätzchen nachtrauern, beginnt für uns das neue Jahr mit einem ganz besonderen Ritual – dem Häs-Abstauben. Für jede Hexe ist dieser Tag mehr als nur ein Termin im Kalender. Es ist der erste offizielle Moment der Fastnacht – und das erste Mal im Jahr, dass das Häs aus dem Schrank geholt, entstaubt und mit Stolz getragen wird. In der Zunftstube trifft sich die ganze Hexenschar – vertraute Gesichter, gespannte Vorfreude und eine leise Aufregung liegen in der Luft. Bevor es jedoch richtig losgeht, heißt es: Kontrolle muss sein. Jedes Häs wird von der Vorstandschaft sorgfältig begutachtet – sitzt alles, ist es vollständig, entspricht es den Vorgaben? Nur wenn alles seine Ordnung hat, gibt es den Sprungbändel – den symbolischen „TÜV-Stempel“ fürs Häs.

Ohne Sprungbändel keine Fastnacht.

Erst wenn jede Hexe ihren Bändel erhalten hat, ist sie offiziell bereit für die Kampagne – und darf ihr Häs bei allen Veranstaltungen tragen. Es ist ein Moment des Stolzes, aber auch der Verantwortung: Denn unser Häs steht für mehr als nur Stoff und Maske. Es steht für Gemeinschaft, Tradition und gelebtes Brauchtum. Und wenn alle Bändel verteilt sind, geht’s ans Dekorieren: Gemeinsam wird die Zunftstube geschmückt – bunt, wild, fastnachtlich. Mit jedem Luftschlangenwirbel wächst die Vorfreude, mit jedem Lachen die Gewissheit: 

Jetzt geht’s wieder los.

„Fastnacht erklärt“ – 
Besuch der Dorfhexen in Schule und Kindergarten

In der Woche vor der Hauptfastnacht wird es bei uns in Gundelfingen jedes Jahr besonders lebendig – nicht auf den Straßen, sondern in den Klassenzimmern und Gruppenräumen der Grundschule und Kindergärten. Denn dann zieht eine kleine Abordnung unserer Dorfhexen los, um den jüngsten Mitgliedern der Gemeinde ein Stück gelebtes Brauchtum näherzubringen.
Mit dabei: Masken, Häs und ganz viel Fastnachtswissen im Gepäck.
In kindgerechter Weise erklären die Hexen gemeinsam mit den Fässlistemmern, was es mit der schwäbisch-alemannischen Fastnacht auf sich hat: Woher das Häs stammt, wie es aufgebaut ist, warum Masken getragen werden und wie der Ablauf einer Fastnachtswoche aussieht – vom Hemdglunker bis zur Verbrennung. Dabei geht es nicht nur ums Erzählen, sondern auch ums Erleben: Die Kinder dürfen Fragen stellen, das Häs anfassen und sich ganz in Ruhe anschauen, wie eine Holzmaske von innen aussieht. So wird Fastnacht begreifbar – im wahrsten Sinne des Wortes.
Ein besonderes Anliegen ist es uns, den Kindern die Angst vor den Maskenträgern zu nehmen. Gerade bei den Kleineren sorgt die Begegnung mit der „verkleideten“ Gestalt manchmal für Unsicherheit. Wenn sie jedoch sehen, dass unter der Maske ein Mensch steckt – jemand aus dem Dorf, vielleicht sogar ein Elternteil oder großer Bruder –, dann verlieren die Hexen schnell ihren Schrecken.
Diese Besuche sind für uns als Verein weit mehr als ein nettes Ritual. Sie sind eine Einladung: an die Kinder, Fastnacht nicht nur von außen zu betrachten, sondern sie zu verstehen, mitzumachen – und vielleicht später einmal selbst Teil des bunten Treibens zu werden.

Denn Fastnacht lebt davon, dass sie weitergegeben wird. Und genau damit fangen wir an – schon bei den Kleinsten.

Schmutzige Dunschtig – Wenn in Gundelfingen die Fastnacht erwacht

Am „Schmutzige Dunschtig“, zeigt sich Gundelfingen von seiner närrischsten Seite. Früh am Morgen versammeln sich die Hexen am Dorfbrunnen vor dem Rathaus – bereit, das Dorf für fünf Tag auf den Kopf zu stellen. Mit dabei sind natürlich auch die Fässlistemmer, die Traditionszunft mit ihren Schalmeien. Von dort aus ziehen die Hexen in alle Himmelsrichtungen: zu den Kindergärten und Schulen in Gundelfingen. Dort geschieht das, worauf viele Kinder schon Tage vorher hinfiebern – sie werden „befreit“. Der Unterricht wird beendet, der Alltag kurz vergessen. Gemeinsam mit Hexen und Fässlistemmern verlassen die Kinder die Klassenzimmer – lachend, singend, voller Vorfreude. Im Anschluss formiert sich eine fröhlich-bunte Karawane: Kindergartenkinder, Schüler, Hexen, Fässlistemmer – sie alle ziehen gemeinsam durchs Dorf. Ein besonderer Zwischenstopp führt ans Seniorenzentrum. Hier wird die Fastnacht über Generationen hinweg gefeiert: Alt und Jung gemeinsam, mit Musik, Bewegung und viel Lachen. Ziel dieser närrischen Prozession ist das Gundelfinger Rathaus. Dort angekommen, steht das „Beamtenwecken“ an. Die Kinder helfen den Narren dabei, die Rathausbeamten aus dem Alltag zu reißen – mit Lärm, Schabernack und einem Augenzwinkern. Zur Belohnung gibt es Süßigkeiten vom Bürgermeister, ein kleines Dankeschön für viel närrische Energie. Während die Kinder danach nach Hause zurückkehren, beginnt für die Hexen der zweite Teil des Tages. Nächste Station: die Raiffeisenbank. Dort findet die „Bank-Fasnacht“ statt – eine Einladung der Bank an die Zunft. Mit einem herzlichen Empfang, Speis und Trank, wird hier gemeinsam gefeiert, ehe es weitergeht in die Zunftstube. In der Zunftstube wartet Ernie, unsere Wirtin, mit heißer Gulaschsuppe auf die hungrigen Hexen. Eine kurze Atempause, ein wenig Stärkung – bevor es am Abend weitergeht. Nun beginnt der festliche Teil. Im Wurm, angeführt vom Teufel und dem Bot, marschieren die Hexen zum Rathausplatz. Dort wird unter musikalischer Begleitung der Schalmeien durch die Feuerwehr der Gundelfinger Narrenbaum aufgestellt – ein Moment voller Symbolkraft. Wenn der Narrenbaum steht, weiß jeder im Dorf: Jetzt ist’s soweit – die Fasnacht ist eröffnet. Hoch oben hängt der Fasnachtssignatz und Wacht über die Narren. Noch bevor der Hexensabbat beginnt, zieht ein kleiner Hemdglunkerumzug durch den Ort – angeführt von Kindern im Nachthemd. Nach den 11 Geboten der Fässlistemmer und der Übernahme des Rathausschlüssels, beginnt der mystische Teil des Abends. Der Hexensabbat ist ein Moment, der sich deutlich vom bunten Trubel des Tages abhebt. In Nebel gehüllt, begleitet von Feuerschein und düsterem Licht, wird die Geschichte der Gundelfinger Hexen erzählt. Die sieben Erzhexen werden herbeigerufen, eine nach der anderen. Der Teufel selbst stimmt sie auf die Fastnacht ein. Auch der Narrensamen wird in die Reihen aufgenommen – bereit für das, was kommt. Es ist eine Szene zwischen Sage und Brauchtum, zwischen Mystik und Theater – und ein Gänsehautmoment, gerade für die Kinder. Danach geht es ins Kult-Fuhr- und Vereinshaus, wo beim Hemdglunkerball zusammen mit den Bürgerinnen und Bürgern Gundelfingens weitergefeiert wird. Kinder, Eltern, Narren, Hexen – alle sind dabei. Es wird getanzt, gelacht, gesungen – ein echtes Dorffest mit närrischem Herz. Im Anschluss treffen sich die Zünfte noch zur Rathaus-Fasnacht, einer kleineren Runde mit Darbietungen, Liedern und reichlich Schunkelei. Den Abschluss des Tages bildet der traditionelle Beizenzug. Gemeinsam mit dem Bürgermeister ziehen die Hexen durch die Gundelfinger Gaststätten – etwa durchs Gasthaus Rösle oder ins Carino. Es wird angestoßen, gelacht und bis tief in die Nacht weiter gefeiert.


Ein Tag, der zeigt, was Fastnacht in Gundelfingen bedeutet: Gemeinschaft, gelebte Tradition und ein wenig närrischer Zauber.

Fastnachtsfreitag: Wenn´s schräg und laut wird

Am Fasnachtsfreitag geht es bei uns traditionell schon früh rund – oder besser gesagt: laut! Um Punkt 10 Uhr treffen sich alle Dorfhexen zur legendären Katzenmusik. Das ist kein fester Programmpunkt für wenige Auserwählte – ganz im Gegenteil: Jede und jeder, der Lust auf Fasnacht hat, ist herzlich eingeladen, mitzumachen. Kinder, Erwachsene, jung oder alt – wer sich verkleidet und ein bisschen Lärm nicht scheut, ist genau richtig! Die Dorfhexen  selbst treten an diesem Tag oft nicht in ihren gewohnten Hexenhäs auf. Stattdessen denkt sich jede und jeder ein neues, gerne auch mal völlig verrücktes Kostüm aus. Hauptsache bunt, kreativ und mit Spaß getragen. Verkleidung ist Pflicht – genauso wie ein Instrument.  Allerdings reden wir hier nicht von Trompeten oder Gitarren – sondern von selbstgebauten, schrägen, lauten Gerätschaften, die eigentlich nur einem Zweck dienen: Krach machen. Ob Blechbüchsen, Topfdeckel, Trillerpfeifen, alte Pfannen oder selbstgebaute Klangmonster – alles ist erlaubt, solange es richtig scheppert. Kurz nach 10 Uhr setzt sich der bunte, lärmende Zug durch das Dorf in Bewegung. Von Geschäft zu Geschäft zieht die Truppe – von der Metzgerei über die Bäckerei bis zum Supermarkt. Vor jedem Laden wird “Katzenmusik” gemacht – das heißt auf gut Deutsch: Krach, bis was kommt! Traditionell geben die Ladenbesitzer dann eine kleine Stärkung aus, sei es ein Vesper, ein Getränk oder auch mal was Süßes für die Kleinen. Neben den Geschäften stehen auch besondere Stationen auf dem Programm: Der Besuch in den Gundelfinger Kindergärten gehört fest dazu – genauso wie Einkehrschwünge bei treuen Freundinnen und Freunden der Zunft, wie etwa bei der Familie Winkler-Trautmann, Familie Zwick oder Peter Bräutigam, die uns Jahr für Jahr herzlich empfangen. So zieht sich der laute, fröhliche Zug durch den ganzen Tag. In den Gassen, auf den Plätzen und zwischen den Häusern begegnet man immer wieder Fasnächtlern, die Krach machen, lachen und einfach gemeinsam den Tag genießen. Die Katzenmusik klingt am späten Nachmittag lansam aus. Für die Hexen geht es dann außerhalb von Gundelfingen weiter.

Fastnachts Samstag: Beizenfasnacht — ein Abend voller Lachen, Witz und Lebensfreude

Wenn am Fasnachtssamstag die Hexen, die tagsüber das bunte Treiben der Freiburger Straßenfasnacht belebt haben, wieder nach Gundelfingen zurückkehren, beginnt bei uns der zweite Teil des närrischen Tages: die Gundelfinger Beizenfasnacht. Ab 19 Uhr öffnet das Gasthaus Rösle seine Türen für all jene, die den Abend nicht einfach ausklingen lassen, sondern ihn in bester Gesellschaft und ausgelassener Stimmung verbringen wollen. Der Duft aus der Küche kündigt es schon an: Kulinarisch lässt das Team des Rösle keine Wünsche offen. Doch satt wird man an diesem Abend nicht nur am Teller. Auch für Kopf und Herz ist gesorgt. Auf zwei Etagen entfaltet sich ein buntes, kurzweiliges Programm, das keinen Platz für Langeweile lässt. Schnitzelbänke, die Zwerge vom Männergesangsverein, das berühmt-berüchtigte Ehepaar Egon und Agathe, und viele, viele andere Akteure wechseln sich ab und nehmen das Dorfgeschehen und die große weite Welt gleichermaßen aufs Korn. Wer im vergangenen Jahr im Ort für Gesprächsstoff sorgte, darf sich auf eine wohlgesetzte Büttenrede oder einen spitzen Sketch gefasst machen — bei uns bleibt kein Auge trocken und kaum ein Thema unangetastet. Damit niemand etwas verpasst, wandert das Programm abwechselnd zwischen den beiden Etagen. So kommt jeder in den Genuss aller Programmpunkte — und das ganz ohne Gedränge. Für die passende musikalische Stimmung sorgen immer wieder die Gundelfinger Beizekracher, die den Saal in Schwingung versetzen. Und wenn das offizielle Programm schließlich endet, heißt es noch lange nicht „Gute Nacht“: Oben lädt der DJ zum Tanzen bis in die frühen Morgenstunden, während unten in entspannter Atmosphäre an der Bar und zu gediegenerer Musik der Abend gemütlich ausklingt.

So wird aus einem Abend ein Erlebnis — und aus der Gundelfinger Beizenfasnacht ein Fixpunkt im närrischen Kalender, auf den sich viele schon das ganze Jahr über freuen.

Fastnachts Sonntag: Taganrufen - Mit Krach, Spruch und Lachen wecken die Hexen so das Dorf

Der Fastnachtssonntag beginnt in Gundelfingen nicht leise und schon gar nicht verschlafen. Wer an diesem Morgen aufwacht — oder womöglich gar nicht erst zu Bett gegangen ist —, wird ihn kaum überhören: den rauen, rhythmischen Klang der großen Rätsche, die durchs Dorf hallt. Schon in den frühen Morgenstunden versammeln sich die Hexen am Dorfbrunnen. Noch dämmert es über den Dächern von Gundelfingen, doch die Fastnacht schläft nicht. Mit lautem Krach und viel Energie machen sich die Hexen auf ihren Weg durchs Dorf. Die große Rätsche — ein uraltes Holzinstrument, das mit seinem markanten Knarren und Kreischen die Stille der Nacht durchbricht — begleitet sie dabei. Station für Station ziehen die Hexen durch die Straßen, halten an markanten Punkten im Ort an, und überall ertönt der laute Weckruf der Fastnacht. Dort, wo sie Halt machen, tragen sie jeweils einen Närrischen Spruch vor. Mit einem klaren Ziel: Die Gundelfinger Bürgerinnen und Bürger sollen geweckt, aus den Federn geholt und zur Teilnahme an der Fastnacht eingeladen werden. So beginnt der Tag — so beginnt die Gundelfinger Fastnacht am Sonntag. Und es ist ein schöner Brauch, der seine ganz eigene Atmosphäre entfaltet. Manch einer blinzelt noch verschlafen aus dem Fenster, andere stehen lachend in den Hauseingängen und hören den Hexen zu. Es soll auch nicht selten vorkommen, dass die eine oder andere Hexe direkt von der Beizenfasnacht der Nacht zuvor zum Taganrufen erscheint — müde vielleicht, aber mit unverwechselbarer Fastnachtsfreude im Herzen. Mit Krach, Spruch und Lachen wecken die Hexen so das Dorf und erinnern daran: Heute ist nicht irgendein Sonntag. Heute ist Fastnachtssonntag — und Gundelfingen ist bereit.

Fastnachtsdienstag: Ein letzter bunter Tag, ein leiser Abschied

Am Fastnachtsdienstag, dem letzten Tag der Gundelfinger Fastnacht, kommt das närrische Treiben noch einmal richtig in Schwung. Bevor die Masken und Kostüme für ein Jahr verstaut werden, gehört der Nachmittag erst einmal dem Nachwuchs: den kleinen Narren und Närrinnen im Dorf. Um 14 Uhr versammeln sich die Kinder, begleitet von ihren Familien, am Dorfbrunnen vor dem Rathaus. Hexen und Teufel führen den kunterbunten Zug an, der sich gemeinsam in Richtung Festhalle aufmacht. Dort wartet eine fröhlich geschmückte Halle und ein liebevoll vorbereitetes Programm, das von den Hexen eigens für die Kinder auf die Beine gestellt wird. Drinnen heißt es dann: Fastnacht feiern, tanzen, lachen und spielen! Ob Tanzvorführungen, Tanz- und Kostümwettbewerbe, kleine Stationen und Spiele oder einfach ausgelassenes Toben zur Musik — für die Kinder ist es ein Höhepunkt der Fastnacht. Natürlich ist auch für die Eltern bestens gesorgt: mit Speis und Trank, sodass niemand hungrig oder durstig bleibt. Wenn die fröhlichen Stunden der Kinderfastnacht vorüber sind, beginnt langsam der zweite, wehmütigere Teil dieses Tages. Die Halle wird abgeschmückt, die Farben der Fastnacht verschwinden nach und nach. Dann treffen sich die Hexen noch einmal in ihrer Zunftstube. Bei einer kleinen Stärkung wird Kraft gesammelt für das, was nun kommt: der Abschied von der Fastnacht. Mit Einbruch der Dunkelheit ziehen die Hexen in Begleitung der Beizekracher, die feierlich-düstere Trauermusik spielen, gemeinsam mit der aufgebahrten Hexe Ignaz auf einer hölzernen Trage zum Sonnenplatz. In der Dunkelheit flackern die Fackeln, und unter Weinen und Klagen begleiten die Hexen die Zeremonie. Dort warten schon viele Gundelfinger Bürgerinnen und Bürger. Gemeinsam wird noch einmal innegehalten, während der Fastnachtschronist, Jochen Kern, in Reimform die Erlebnisse der vergangenen Tage Revue passieren lässt. Anekdoten und heitere Begebenheiten werden noch ein letztes Mal erzählt, begleitet vom wehklagenden Geheul der Hexen. Dann kommt der Moment des Abschieds: Die Hexe wird dem Scheiterhaufen übergeben, das Feuer entfacht. Unter lautem Jammern lodern die Flammen, während die Hexe langsam verbrennt. Doch auch in diesem ernsten Moment blitzt noch einmal Lebensfreude auf: Die jungen Hexen springen — nicht selten unter dem Staunen der Zuschauer — mutig und spektakulär über das Feuer. Wenn das letzte Feuer heruntergebrannt ist, beginnt der endgültige Abschied: Die Masken werden abgezogen, die roten Schürzen abgelegt und über die Schulter gehängt. Von diesem Moment an herrscht Schweigen. Kein Wort darf mehr gesprochen werden. In würdevoller Stille ziehen die Hexen zurück zur Zunftstube. Auch dort bleibt es still. Erst wenn jede Hexe einen Rollmops verspeist hat — ein traditionelles Ritual zum Abschluss der Fastnacht —, wird von der Vorstandschaft ein ganz leises Hexe-Fege angestimmt.


Und dann ist es wirklich vorbei. Die Fastnacht ist zu Ende — für dieses Jahr.
 

Doch Wehmut muss nicht lange währen. Schon in wenigen Monaten, am 11.11., beginnt der närrische Reigen von Neuem. Und bis dahin bleibt die Erinnerung an eine wunderbare Fastnacht voller Lachen, Spaß und Gemeinschaft.

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